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Leute leute,

viel Wasser ist den Yangtse und auch den Mecong hinuntergeflossen, seit wir uns das letzte Mal hier ausgelassen haben! 4 Wochen Feldarbeit liegen hinter uns, ob erfolgreich, weiß man wohl erst so wirklich nach Abgabe der verflixten Arbeit, also ab November bzw. Februar... Nun sind wir mal wieder in Kunming, erholen uns ein wenig, fangen aber natürlich auch direkt wieder mit der Arbeit an, bevor wir uns in ca. 2 Wochen auf nach Beijing machen

Erlebnisse, Entbehrungen, Schweiß, Hitze, Regen und viel Sonne, Höhen und Tiefen sind überstanden. In den nächsten Tagen und Wochen wird sukzessive ein kleiner Ausschnitt aus dem Pottpürree ruralem China wiedergegeben. Erstmal nur so viel, diese ganze Zeit war relativ zeichnend...

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15.7.09 12:18


Von Verwirrungen, Genehmigungen und eventuellen Forschungen...

Abwarten und tee trinken!

Dieses Sprichworte ist, da sind wir uns zu 100% sicher, hier in Chinesien erfunden worden. Das es überhaupt keine Probleme bereiten wird, hatten wir ja schonmal an anderer Stelle berichtet. Einfach einen Tag vorher anrufen, schon freuen sich alle einen Ast, sagen; "ja, jippieh, kommt zu uns in die tibetische autonome Region und forscht was ihr wollt, kein Problem..."

Wir haben also 2 Tage mit Tee trinken, Kippen rauchen, mit irgendwelchen offiziellen Typen Essen gehen, von Büro zu Büro laufen, von Weixi nach Tacheng, von unterer zu oberer hierarchischer Ebene verwiesen werden, von Tachen nach Weixi fahren, in oberer hierarchischer, also County (sowas wie Landkreis) Ebene mit Foreign Affairs Leuten reden, wieder nach Tachen fahren, ohne Antworten zu bekommen, ohne Genehmigungen zu bekommen verbracht. Da wurde sogar uns auf Dauer etwas, aber nur etwas langweilig...

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Um schlussendlich nach vielen verlorenen Nerven, unendlichen Telefonaten, aufgebrachtem Verständniss für komplett nicht nachvollziehbare Prozesse, Preise für absurd teure Fahrten durch die Gegend bezahlend (haben wir als "Freundschaftsgeste", oder auch unter dem Kapitel, ähem, Schmiermittel verbucht) mit der Auflage eine Begleitung mit ins Dorf Kegong zu bekommen losziehen zu düfen!

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Und tatsächlich kamen wir denn gut dort an! Komischerweise hatte unser "Spion" dann keine Zeit mehr, die "Prüfung", von der vorher mal die Rede war hatten wir scheinbar bestanden, so konnte also fast unbeschwert losgelegt und bei Familie He Weiming gewohnt werden.

Fast. Denn am 2. Tag stand unser Freund des Auswärtigen Amtes direkt bei uns in der Tür... wollte sich nach unserer Sicherheit erkundigen. Denn das hat ja nach dem letztjährigen "Unfall" in dem Land, äh der Provinz T, dessen Namen man ja nie so richtig aussprechen darf, ja oberste Priorität. Auch wenn man sich wohl nicht besser aufgehoben, sicherer als in solche einem Dorf, in solch einer Familie fühlen kann...

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16.7.09 09:54


Kegong Livelihoods und Forestwoods

Und endlich gab es ihn, den guten, selbstgebrannten Baijou, allerfeinster Reisschnaps der in Kehle oder auch im Glase brennt.

Freunde aus der Ferne in der Ferne, eine Familie die einen wie den eigenen Sohn aufnimmt, man von der Schwiegertochter Dong Mei, dem "Schönen Winter", nur als großer Bruder bezeichnet wird, die eingepökelten Schweine derart lecker sind, das auch das kleine BaoBao (Baby) sich mit 8 Monaten daran gütlich tut und die Landschaft ein Traum in Reisterasse ist...

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So konnte doch wunderbar gearbeitet werden, jedenfalls nachdem die üblichen Probleme des Verständnisses bzw. der Übersetzung geklärt waren, Fräulein Han Xi verstanden hatte, worum es geht (zum Glück haben wir ihr nicht, wie sie eigentlich wollte, noch mehr Infos vorab geschickt, die Verwirrung wäre wohl noch größer gewoerden...) und im ganzen Dorf Hallo gesagt wurde.

Der eine also immer mit Han Xi von Haushalt zu Haushalt, mächtig viele Interviews führend, jede mögliche Beziehung unterschiedlicher Einflussfaktoren für die Gestaltung des Lebens checkend, an Abenden Gruppendiskussionen und andere PRAs führend...

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 ...der andere mit Ferdi immer auf der Suche nach den Pilzen, den Weidetieren, dem Holz im Wald, den Reis- und Maisfeldern, also allem was die Leute hier zum Leben brauchen. Mit Spaten, Bodenkundlicher Kartieranleitung, Kompass, verwirrenden Formblättern für die Ordnung der Vegetation etc. auf der Suche nach dem genutzten Ökosystem...

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An den zahlreichen Abenden gabs erheiternde Gesänge aus Tibet, erschütternd schlecht vorgetragende deutsche Lieder á la 3 Chinesen mit dem Kontrabass, tiefsinnige Gespräche über kulturelle Unterschiede oder die Funktionsweise der deutschen Landwirtschaft und dem Subverntionswesen der EU, dazu immer den ein oder anderen Humpen Schnappo, Sonnenblumenkerne zum rummüllen, Fliegen, Mücken und andere fliegen Ungeschöpfe, die nicht selten an Hbschrauber erinnerten...

18.7.09 09:31


No, you can definetly not go to Susong Area!

Das alles nicht immer so leicht sein würde, wie geplant, war ja irgendiwe klar. Das es mit den Genehmigungen auch nicht so ganz leicht ist, wurde erwähnt. Ein weitere Neuerung im Ungetüm chinesischer Verwissungstaktiken lernten wir aber auch alsbald kennen.

Das Spiel mit verdeckten Karten! Der Mangel an Offenheit. Wendungen in der Argumentationstechnik von Tag zu Tag oder auch nur vorgeschobene Ausreden um bloß nicht nach Susong zu müssen.

Es zeigte sich in Kegong recht bald, das die Idee, drei Dörfer jeweils 10 Tage lang zu beforschen nicht unbedingt die beste ist, da man doch einfach etwas mehr Zeit vor Ort braucht. So wurde von einfach der 2. Ort, Bazhu, geskippt. Denn er befindet sich in unmittelbarer Nähe von Kegong, die Nutzungs und Ökosysteme ähnelen sich sehr, so wollten wir einfach direkt nach Suson, deutlich weiter in den Norden fahren. Dort ist alles detulich höher, die Kultur deutlich tibetischer, die Landnutzungsstrategien sind andere.

Tagelang wurde also jeden morgen diskutiert. Erst hieß es, Han Xi müsse unbedingt selber in Bazhu forschen, wovon vorher nie die Rede war, Till durch dieses Manöver definitiv Tage der Übersetzung verloren hätte. Nach einem erneuten Umplanen, also anpassen unsererseits und verlängern der gesamten Zeit war es dann der Punkt, das Sie ja aber Anfang Juli in Kunming sein müsste. Was einen Tag vorher, bei Verlängerung, noch nicht im Ansatz genannt wurde... Die letzte Episode beinhaltete dann das bekannte Problem mit dem Unfall im Lande T im vergangenen Jahr, was es uns vollkommen unmögliche werden ließ, dorthin zu gehen. Die Sicherheit, die politische Lage, das Naturschutzgebiet! Ach ja, und wir haben dafür ja keine Genehmigung besorgt. Geht also nicht. In Bazhu werden wir toleriert. Let´s go there!

No, lets try it up in the north, same same but different! Ein Telefonat mit Cheffe YYP ließ alles in Minutenschnelle regeln, weitere Telefonate seinerseits mit irgendwelchen Bekannten in dem Naturschutzgebietsmanagement ebnete den Weg ins Schutzgebiet des Weißen Pferdes. Nun doch, hatten wir uns wieder irgendwie durchgesetzt!

Zwar sollte wir wieder Spione mit auf den Weg bekommen, nun sogar zwei, durften nichts zu Problemen zwischen lokaler Bevölkerung und Schutzgebiet, also Regierung fragen, noch Pflanzen sammeln (was die locals natürlich auch nie tun). Es war dann doch nur ein Spion, und der hatte nach 3 Tagen keine Lust mehr auf uns...

Und trotz allem bleibt zu sagen, 1. erinnert man sich hinterher immer besser an die problematischen, komplizierten Situationen, die einem Mühe Stress, Ärger usw beschert haben, 2. hat Han Xi sich echt stets bemüht (zum Glück ist das kein Praktikumszeugnis hier!) und sich für die Anliegen, die letztlich verfolgt wurden eingesetzt, und einen excellenten Job in der Übersetzung gemacht! Auch wenn sie dabei doch eher wie eine chinesische Touristen rüberkam...

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20.7.09 09:18


Tong Dui Shui Shi

Der höhere Norden also, die höheren Berge, die stärker buddhistisch-tibetische Kultur, weiter im Naturschutzgebiet...

Irgendwie haben wir wieder reichlich Glück gehabt, sind in einer sehr netten Familie gelandet (obwohl es wohl kaum welche gibt, die nicht nett sind!),

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hatten keinen Spion (außer die ersten 3 Tage)  und konnten daher fast machen, was wir wollten!

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Das Prozedere des Arbeitens war im Grunde das selbe, jedoch besteht das Dorf aus deutlich weniger Haushalten, sodass fast alle interviewt werden konnten. Die Wälder jedoch so hoch gehen, die Luft also nicht für alles reichen konnte, und der Einsatz für so manche Erhebung evtl etwas zu hoch war...

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23.7.09 07:09


Feierabend!

Vier Wochen Feldarbeit in wenigen Zeilen verpackt. Weit mehr wurde getan, erlebt, durchlebt, überstanden, gegessen und getrunken als sich hier widergeben lässt.

Nun waren wir schonmal im Hochland NW-Yunnans, ein paar Tage Urlaub waren also hier irgendwie von Nöten. Der heilige Kawagebo direkt um die Ecke, Tibet einen Steinwurf dahinter, irgendwie sollte sich damit doch was anfangen lassen.

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Es soll, wie um jeden heiligen Berg, einen Pilderpfad um ihn herum geben. Nach kurzer Internetzrecherche und Stop in dem sich derzeit in einem wundervoll chinesischem Modernisierungswahn befindlichen Dequen (der Ort wird einfach komplett abgerissen und parallel wieder neu aufgebaut!) ging es also los, irgendwo an den Mekong.

Dort waren (leider zu) schnell drei Jungs als Guides gefunden, die uns gerne auf die andere Seite des Berges, an den Nu Jiang bringen wollten. Unser Ziel war also, jeden der drei größten Flüsse des Osthimalaya zu sehen. Laut der Angaben im www sollte diese Tour mindestens 6 Tage dauern, die Jungs sprachen von 2en!? Nun ja, drei Stunden später stellte sich ca. alles mal wieder als Missverständniss heraus, wir mussten mehr Geld bieten, dann waren wir doch auf dem ausgeguckten Treck...

Es ging insgesamt alles viel schneller, in 3 1/2 Tage über 2 Pässe (4312 und 3561 Meter), rauf und runter (zwischendurch bis auf 2400m), durch allerfeinste Landschaften in denen man außer etwa 10 anderen Pilgern nur einige Hirten traf. Gedopt wurde mit Schweinereissuppe, ca. 18kg Gepäck auf dem Rücken (wir kamen ja gerade mit allem Firlefanz aus dem Felde) und "Georgasmen" (Prof. Eitel) am Fließband...image

Und unterwegs erfuhren wir, das mit dem Überschreiten des Donge Re La Passes Tibet erreicht wird! Upps. Hat dafür jemand ein Visum? Gibt es eine Grenzkontrolle im Niemandsland über 4000m? Gibt es eine Kontrolle bei der Rückkehr nach China/Yunnan? Nein, alles nicht! Heinrich Harrer ließ grüßen, beim Abstieg irgendwann allerdings auch die Blasen, der Rücken, der Sonnenbrand, die herrlichsten Ausblicke ins gelobte Land, größte Freude beim Einmarsch in ein Dorf nach 4 Tagen unter Plastikplanen im (N)irgendwo, und erst recht bei folgender Ankunft am Nu Jiang!

25.7.09 05:48


Tibet und immer runter am wilden Fluss...

Ankunft in Tibet,

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Kneipp Tours im kalten Abing und deutlich wärmeren Nu Jiang, Verköstigung des letzten blauen Bharals und 2 Tage warten auf einen Ride runter, zurück nach Yunnan.

Das eine ein Traum, das andere nur eklig, für die Locals aber eine Ehre uns auf zu tischen, das letze etwas nervig. Jedoch nach Mitnahme der ober Hammer. 6 Stunden stehend auf einem Truck diesen absolut wilden Hochgebirgsfluss runter, sodass einem falls nicht noch von dem Vieh schlecht spätestens nun etwas übel wurde, zumal bei 200m steilen Abhängen, haaresträubender Straßenführung und saufenden Mitfahrern.

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25.7.09 06:29


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